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Warum ein Logo noch keine Marke ist – und warum gutes Brand Design nicht mit dem Logo beginnt.

Renate Praschberger
vor 5 Tagen
5 Min. Lesezeit


Ein Logo ist ein wichtiger Bestandteil einer Marke, aber ein Logo alleine macht noch keine Marke.


Eine Marke entsteht dort, wo Menschen ein Unternehmen erkennen, mit bestimmten Vorstellungen verbinden und ihm etwas zutrauen. Sie entsteht über viele Berührungspunkte – und über die Summe der Eindrücke, die dabei zurückbleiben.


Das Logo ist nur einer davon.


Eine starke Marke entsteht nicht aus einem einzelnen Gestaltungselement. Sie entsteht aus einem Zusammenspiel von Strategie, Identität, Design und Anwendung.


Und genau deshalb beginnt gutes Brand Design für mich nicht mit der Frage:


„Wie soll das Logo aussehen?“

Sondern mit der Frage:


„Wofür soll diese Marke stehen – und wie soll sie von den richtigen Menschen wahrgenommen werden?“



Eine Marke beginnt nicht beim Logo. Sie beginnt bei der Klarheit.


Bevor eine Marke sichtbar werden kann, muss klar sein, was sie eigentlich ausmacht.


Für mich lässt sich dieser Prozess über fünf einfache Fragen strukturieren:


WARUM? – WER? – WAS? – WIE? – WO?


Sie führen von der strategischen Grundlage über die Identität und das Design bis hin zur konkreten Anwendung.



01 – WARUM?

Das Fundament der Marke


Warum gibt es dieses Unternehmen überhaupt?


Was treibt es an – abseits von Umsatz und Profit? Welche Vision steckt dahinter? Welche Überzeugung oder Idee soll mit der Marke verbunden werden?


Das Warum bildet das Fundament.


Denn eine Marke sollte nicht nur zeigen, was ein Unternehmen verkauft. Sie sollte auch spürbar machen, wofür es steht.



02 – WER?

Die Menschen, für die die Marke relevant sein soll


Eine Marke existiert nicht im luftleeren Raum.


Für wen ist sie gedacht? Wen möchte sie erreichen? Welche Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen haben diese Menschen?


Die Zielgruppe beeinflusst, wie eine Marke auftreten muss, um relevant und anschlussfähig zu sein.


Denn gutes Design ist nicht nur eine Frage des persönlichen Geschmacks.


Es geht darum, bei den richtigen Menschen die richtige Wahrnehmung auszulösen.



03 – WAS?

Die Positionierung


Was bietet das Unternehmen an?


Welches Problem löst es? Was macht das Angebot relevant? Was unterscheidet es von anderen?


Hier wird die Positionierung konkret.


Positionierung bedeutet nicht einfach, einen schönen Satz über ein Unternehmen zu formulieren. Sie beschreibt den Platz, den eine Marke im Kopf ihrer Zielgruppe einnehmen möchte.


Wofür soll diese Marke stehen? Warum sollte man sich für sie entscheiden?


Damit entsteht eine klare Richtung für alles, was danach kommt.


Denn wenn die Positionierung unklar ist, kann auch das Design nur schwer eine klare Aussage treffen.



04 – WIE?

Die Brand Identity


Jetzt bekommt die Marke ihren Charakter.


Wie verhält sich die Marke? Wie spricht sie? Welche Werte vertritt sie? Wie fühlt sie sich an?


Hier entsteht die Brand Identity – die Identität der Marke.


Sie definiert, wer die Marke ist und wie sie sich nach außen verhält.


Dazu gehören beispielsweise:


  • Werte und Haltung

  • Persönlichkeit

  • Charakter

  • Tonalität und Sprache

  • Markenversprechen

  • die Art, wie die Marke kommuniziert und Beziehungen aufbaut


Die Brand Identity ist damit die Verbindung zwischen der strategischen Grundlage und dem späteren Design.


Strategie gibt die Richtung vor. Die Brand Identity gibt der Marke Charakter.



Wie wird das sichtbar?

Die Visual Identity


Erst jetzt kommt das, was viele sofort mit Branding verbinden: das Design.


Die Visual Identity übersetzt die Brand Identity in ein visuelles System.


Und genau hier geht es um weit mehr als ein Logo.


Es geht um:


  • Logo und Logo-System

  • Farben

  • Typografie

  • Bildwelt

  • Formen und grafische Elemente

  • Komposition und Layout

  • Icons und Illustrationen

  • Motion und weitere visuelle Prinzipien


Das Ziel ist nicht, möglichst viele Gestaltungselemente zu entwickeln.


Das Ziel ist, eine eigenständige visuelle Sprache zu schaffen, die die Identität der Marke sichtbar macht.


Brand Identity gibt der Marke Charakter. Visual Identity gibt diesem Charakter eine Form.


Das Logo ist der Absender. Nicht die ganze Geschichte.


Ein Logo hat eine wichtige Aufgabe:


Es identifiziert eine Marke.


Es schafft Wiedererkennung und gibt einer visuellen Identität einen Absender.


Aber ein Logo kann allein nicht vermitteln, wofür ein Unternehmen steht, was es besonders macht oder welches Gefühl es bei Menschen auslösen soll.


Dafür braucht es ein System.


Eine starke Visual Identity funktioniert deshalb auch dann, wenn das Logo gar nicht im Mittelpunkt steht.


Typografie, Farben, Bildwelt, Formen, Layout und grafische Elemente greifen ineinander und erzeugen gemeinsam einen wiedererkennbaren Auftritt.


Nicht jedes Element muss dabei auffällig sein.


Entscheidend ist, dass die Elemente eine gemeinsame Idee transportieren.



Nicht schöner. Sondern charakteristischer.


Genau hier liegt für mich der Unterschied zwischen Gestaltung und strategischem Brand Design.


Ein Design kann ästhetisch sein und trotzdem austauschbar.


Es kann modern, hochwertig, minimalistisch oder „premium“ aussehen – und dennoch nichts Eigenes erzählen.


Denn „clean“, „modern“, „natürlich“ oder „hochwertig“ sind noch keine Markenidentität.


Die entscheidende Frage ist:


Was macht diese Marke zu genau dieser Marke?


Eine gute Visual Identity übersetzt die Antwort darauf in einen visuellen Ausdruck, der zur Positionierung passt und für die richtigen Menschen relevant ist.


Nicht schöner um des Schönen willen. Sondern charakteristischer.



05 – WO?

Die Touchpoints


Eine Identität lebt nicht in einem Brand-Book.


Sie wird dort erlebt, wo Menschen mit einer Marke in Kontakt kommen.


  • Auf der Website

  • Auf Social Media

  • In einer Präsentation

  • Auf einer Verpackung

  • In einem Newsletter

  • Auf einer Visitenkarte

  • Im Store

  • Auf einem Messestand

  • In der Kommunikation


Diese Kontaktpunkte sind die Touchpoints einer Marke.


Hier wird die Visual Identity angewendet – und hier entscheidet sich, ob aus einem schönen Gestaltungssystem tatsächlich ein konsistentes Markenerlebnis wird.


Das bedeutet nicht, dass jeder Touchpoint exakt gleich aussehen muss.


Im Gegenteil:


Ein gutes Brand System ist flexibel.


Es kann sich an unterschiedliche Formate, Medien und Situationen anpassen und bleibt dabei trotzdem als dieselbe Marke erkennbar.


Was die Touchpoints verbindet, ist nicht zwangsläufig ein einzelnes Gestaltungselement. Es ist die erkennbare Identität dahinter.



Was passiert, wenn das Logo vor der Strategie kommt?


Dann wird Gestaltung schnell zur Oberfläche.


Man sucht Farben aus, die „hochwertig“ wirken sollen.


Eine Schrift, die „modern“ aussieht.


Ein Logo, das „besonders“ sein soll.


Aber ohne strategische Grundlage bleibt Gestaltung schnell eine Geschmacksfrage.


Und genau deshalb beginne ich bei einem Branding nicht mit dem Logo.


Ich beginne mit Fragen.


  • Wofür steht die Marke?

  • Warum gibt es sie?

  • Für wen ist sie relevant?

  • Was macht sie anders?

  • Welche Position soll sie einnehmen?

  • Wie soll sie wahrgenommen werden?

  • Welche Persönlichkeit soll sie haben?

  • Wie lässt sich diese Identität visuell übersetzen?

  • An welchen Touchpoints muss sie funktionieren?


Erst wenn diese Grundlage klar ist, kann Design diese Positionierung sichtbar machen.


Eine starke Marke geht über ein gutes Erscheinungsbild hinaus.


Eine gute Brand Identity sorgt nicht einfach dafür, dass ein Unternehmen professionell aussieht.


Sie schafft:


  • Klarheit

  • Orientierung

  • Wiedererkennung

  • eine klare Positionierung

  • Vertrauen

  • Relevanz für die richtige Zielgruppe

  • Unterscheidbarkeit

  • Konsistenz über verschiedene Touchpoints hinweg


Das ist besonders relevant für Unternehmen, die wachsen, sich verändern oder neu ausrichten.


Denn wenn sich das Unternehmen verändert, sollte sich die Marke nicht einfach nur „neu stylen“.


Sie sollte strategisch mitwachsen.



Deshalb ist ein Redesign mehr als ein neues Logo.


Bei einem Redesign ist für mich deshalb nicht die wichtigste Frage:


„Wie können wir moderner aussehen?“


Sondern:


„Wer sind wir heute – und wird das von unserer Marke bereits sichtbar gemacht?“


Manchmal braucht es dafür nur eine Weiterentwicklung des bestehenden Systems.


Manchmal braucht es eine neue Visual Identity.


Und manchmal zeigt sich im Prozess, dass zunächst die Positionierung geschärft oder die Markenidentität neu definiert werden muss.


Das Design ist dann nicht der Ausgangspunkt.


Es ist die Übersetzung einer strategischen Entscheidung.



Wie ich als Brand Designerin arbeite


Mein Ansatz beginnt deshalb nicht beim Logo.


Ich arbeite von innen nach außen:


STRATEGIE

Klarheit · Positionierung · Zielgruppe · Richtung


BRAND IDENTITY

Charakter · Werte · Persönlichkeit · Sprache · Haltung


VISUAL IDENTITY

Logo · Typografie · Farbe · Bildwelt · visuelles System


TOUCHPOINTS

Website · Social Media · Print · Packaging · Raum · Kommunikation


Das Ergebnis ist nicht einfach ein neues Logo.


Es ist ein Markensystem, das Orientierung gibt, eine klare Identität sichtbar macht und über unterschiedliche Kontaktpunkte hinweg funktioniert.


Denn eine Marke sollte nicht nur gut aussehen.


Sie sollte etwas bedeuten.


Und genau darin liegt für mich die Aufgabe als strategische Brand Designerin:


Die Identität eines Unternehmens zu verstehen, zu schärfen und in eine visuelle Sprache zu übersetzen, die eigenständig, relevant und langfristig tragfähig ist.


Ein Logo kann eine Marke repräsentieren.

Aber erst Strategie, Identität, Design und Anwendung machen daraus eine Marke, die als Ganzes erlebbar wird.


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