Ist die Zukunft der nachhaltigen Hotellerie vegan? Gespräch mit Jonas Mog, Geschäftsführer des ahead Burghotels
Aktualisiert: 4. Sept.
Wird vegan das neue „Veggie“? Vegane Hotelkonzepte sind noch eine Nische, gleichzeitig gewinnen pflanzenbasierte Angebote in der Branche zunehmend an Bedeutung. Im Gespräch mit Jonas Mog, Gründer und Geschäftsführer des ahead Burghotels, geht es um die Entstehung eines konsequent veganen Hotelkonzepts, unternehmerische Entscheidungen, Herausforderungen im Alltag und Zukunftsperspektiven.
Was war der ursprüngliche Auslöser für Ihr rein veganes Konzept?
In meiner Schulzeit lernte ich über das System Fleischindustrie und war schockiert. Ich begann zunächst, statt konventionellem Fleisch Bio-Produkte zu konsumieren, realisierte aber schnell, dass hiermit den Tieren nicht geholfen war und wurde Vegetarier. Schritt für Schritt strich ich erst Milch und Eier und zuletzt auch Käse aus meiner Ernährung und lebe seit über zehn Jahren vegan.
Die Entscheidung prägte mein Leben so sehr, dass für mich auch schnell klar wurde, dass ich auch beruflich kein Tierleid mehr unterstützen wollte.
Während meines Hotelmanagement-Studiums untersuchte ich die Zukunftschancen veganer Hotellerie und entschloss mich, später ein veganes Hotel gründen zu wollen. Fünf Jahre Berufserfahrung später, während der Corona-Pandemie, gründete ich gemeinsam mit einer befreundeten Kollegin dann das ahead Hotel in Brandenburg.

Wie haben Gäste und die Region auf Ihr veganes Konzept reagiert? Gab es Vorbehalte oder Kritik?
Im ländlichen Raum ist vegane Ernährung bekanntlich nicht so weit verbreitet, dadurch gab es in der lokalen Bevölkerung durchaus Menschen, die mit Unverständnis reagiert haben. Unsere Gäste, die vornehmlich aus urbanen Zentren kommen, waren sofort begeistert und überrannten uns vom ersten Tag an.
Kommen ausschließlich vegane Gäste zu Ihnen, oder auch jene, die eine andere Lebensweise für sich entdecken möchten?
Wir fragen bewusst keine Ernährungsweise beim Check-In oder der Buchung ab, schließlich sind alle Gäste bei uns herzlich willkommen. Aus der Erfahrung lässt sich sagen, dass es ein Mix aus allen Ernährungsformen ist. Die Gäste eint die Offenheit und oftmals bereits eine Begeisterung für eine rein pflanzliche Küche. Wir freuen uns aber auch immer, wenn wir skeptische Menschen begeistern können.
Wie reagieren Gäste, die nicht vegan leben, auf Ihr kulinarisches Angebot?
Es gibt hier zahlreiche Beispiele von Menschen, die völlig überrascht von der Qualität der Speisen waren, besonders, wenn in seltenen Fällen gar nicht vorher bekannt war, dass es sich um ein veganes Hotelrestaurant handelt. So berichteten beispielsweise Gäste, die auf dem Elberadweg unterwegs waren, dass die Currywurst auf der Lunchkarte die beste gewesen sei, die sie je gegessen hätten.
Welche Rolle spielen Gestaltung, Atmosphäre und Kommunikation dabei, das vegane Konzept für Gäste erlebbar zu machen?
Gestaltung spielt für uns eine zentrale Rolle – insbesondere die Wirkung von Licht, Farbe, Geruch und die Haptik natürlicher Materialien. Holzmöbel, minimalistisches Design und eine warme, einladende Gestaltung helfen dabei, den Erholungseffekt zu unterstützen.
Gleichzeitig geht es für uns nicht nur um Räume, sondern auch um Kommunikation und Miteinander. Das bewusste Duzen schafft Nähe, Vertrauen und eine offene, gemeinschaftliche Atmosphäre.
Das geht bis hin zur Arbeitskleidung, die nicht steif wirkt, sondern natürlich, zeitgemäß und nahbar bleibt – und natürlich auch fair und ökologisch ist. All diese Aspekte tragen dazu bei, dass sich alle Gäste intuitiv wohlfühlen und erst im zweiten Moment bemerken, dass alles konsequent vegan und nachhaltig gedacht ist.
Gab es Entscheidungen, bei denen Sie bewusst den nachhaltigeren, aber wirtschaftlich schwierigeren Weg gewählt haben?
Bei der Auswahl der Materialien, egal ob bei der Bettwäsche, den Möbeln oder der Naturkosmetik geht es in erster Linie um die Qualität und Umweltverträglichkeit. Die Konsequenz bei der Auswahl dieser Partner ist nicht immer wirtschaftlich sinnvoll, aber nur deshalb mit unserer Philosophie verträglich, die besagt, dass wir unsere Entscheidungen im Einklang mit Mensch, Tier und Umwelt treffen.
Welche Bereiche sind herausfordernder – oder vielleicht sogar effizienter – als ursprünglich erwartet?
Herausfordernder als erwartet war für uns vor allem die regionale Beschaffung. Wir sind anfangs davon ausgegangen, viele Lebensmittel in Bioqualität direkt von Landwirt:innen aus der Umgebung beziehen zu können. In der Realität zeigt sich jedoch, dass die Region stark von Tierhaltung geprägt ist und es vergleichsweise wenig Biolandwirtschaft gibt.
Auf der anderen Seite erleben wir aber auch, dass nachhaltiges Wirtschaften durchaus effizient sein kann. Ressourcenschonende Prozesse bedeuten oft auch einen bewussteren Einsatz von Energie und Wasser sowie die Vermeidung von Food Waste. Diese Form der Effizienz ist für uns nicht nur wirtschaftlich relevant, sondern entspricht auch unserem grundsätzlichen Verständnis von verantwortungsvollem Handeln.
Wenn Sie heute noch einmal starten würden – gibt es etwas, das Sie anders angehen würden?
Rückblickend ist man natürlich immer ein Stück schlauer und wir würden ganz bestimmt mit den heutigen Erfahrungen an der einen oder anderen Stelle Dinge anders angehen oder schneller entscheiden. Gleichzeitig sind genau diese Erfahrungen und auch die Herausforderungen ein wichtiger Teil des gesamten Prozesses gewesen. Jeder Schritt hat uns dahin gebracht, wo wir heute stehen. Insofern würden wir den Weg im Kern genauso wieder gehen.
Wie können auch Nicht-Veganer:innen von Ihrem Hotel-Konzept überzeugt werden?
Unser Ziel war es immer, ein gutes Hotelprodukt zu schaffen, unabhängig von unserer klaren Ausrichtung. Das heißt: Auch Gäste, die nicht vegan leben, sollen sich wohlfühlen und nichts vermissen, sondern ohne Dogma von unseren Werten inspiriert werden und einen hohen Service-Standard, gepaart mit Herzlichkeit, Achtsamkeit und Aufmerksamkeit, erleben. Das ist unsere Motivation für jeden Tag aufs Neue.
Wo sehen Sie nachhaltige, vegane und pflanzenbasierte Hotellerie in den nächsten 5 bis 10 Jahren?
Wir sehen in den kommenden Jahren zumindest in Europa pflanzenbasierte Konzepte zunehmend im Mainstream etabliert und weitere Neueröffnungen, die den Markt bereichern. In erster Linie wird sich allerdings in konventionellen Betrieben das vegane Angebot verbessern. Vegan wird das neue Veggie. Bis dahin hat die Branche aber noch einiges aufzuholen. Wir können uns auch gut vorstellen, dass in den nächsten Jahren noch ein ahead an einem anderen Ort auf dieser Welt eröffnet.
Vielen Dank an Jonas Mog, Geschäftsführer des ahead Burghotels, für das offene Gespräch sowie die persönlichen und unternehmerischen Einblicke in die Zukunftsperspektiven der veganen Hotellerie.
Bildnachweis: Fotos © ahead Hotel
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